greenkeeper

 

Liebe Mitglieder,
die Pflege unserer Grüns ist ein komplexes Zusammenspiel vieler Faktoren und ich will versuchen, die Hintergründe möglichst einfach zu erklären.  Wie die Grüns zu pflegen sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

1.Gräserbestand

Im Idealfall (z.B. auf neu angelegten Grüns) besteht die Grasnarbe entweder aus einem reinen Agrostis stolonifera (weißes Flechtstraussgras) Bestand, oder aus einer Mischung aus Agrostis stolonifera, Agrostis capillaris (rotes Flechtstraussgras)und Festuca rubra (Rotschwingel). Die Agrostis-Gräser sind aggressiv im Narbenschluss, äußerst tiefschnittverträglich und relativ krankheitsresistent. Agrostis stolonifera bildet oberirdische Ausläufer und ist somit in der Lage, Kahlstellen schnell wieder zu besiedeln und besonders dichte Grasnarben zu bilden. Aber sie sind auch sehr pflegeintensiv und müssen häufig vertikutiert werden, da sie zu sehr starker Filzbildung neigen.
Die Festucaarten sind ebenfalls gut tiefschnittverträglich und sind sehr trockenresistent. Nachteil ist, dass diese Arten sehr schwer in einer dichten Agrostisnarbe zu etablieren sind.
Leider wandern in unseren Breitengraden  Fremdarten in den Gräserbestand ein, was sich auch auf Dauer kaum vermeiden lässt. Das häufigste „Ungras“ ist die jährige Rispe (Poa Annua). Sie verträgt den Tiefen Schnitt auf den Grüns sehr gut und bildet selbst bei der geringsten Schnitthöhe Blütenstände. Nachteil der Poa Annua ist ihre relativ schlechte Krankheitsresistenz und ihr hoher Wasserbedarf.
Die Poa Annua wandert auf den Grüns durch Schadstellen ein, also nicht sauber entfernte Pitchmarken, Schneeschimmelflecken oder sonstige Kahlstellen. Ein hoher Anteil von Poa Annua in der Grasnarbe der Grüns bewirkt also einen höheren Bewässerungs- und Düngebedarf und eine höhere Anfälligkeit für Krankheiten. Die Poa Annua könnte man theoretisch im Sommer „verdursten“ lassen, jedoch wollen wir ja keine Kahlstellen in der Hochsaison.
Auf unseren ca. 23 Jahre alten Grüns besteht der Anteil der Poa Annua- und der Agrostisarten jeweils aus ca. 50 Prozent. Viele Grüns auf anderen Plätzen in diesem Alter haben nahezu 100% Poa Annua Bestände.
Wir versuchen unseren Agrostis Bestand durch 2-3 malige (jährlich) Nachsaat reiner Agrostis (jeweils bei Aerifiziermaßnahmen) zu erhalten bzw. wieder zu steigern.
Unsere Grüns werden während der Saison meist täglich gemäht. Ausnahmen gibt es bei großer Hitze oder Nässe. Bei sehr warmen Temperaturen walzen wir die Grüns gerne anstatt sie zu mähen, um trotzdem eine treue Puttoberfläche zu gewährleisten aber den Stress für die Gräser zu reduzieren.

2.Rasentragschicht und Porenvolumen

Unsere Grüns sind nach FLL-Richtline (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V.) aufgebaut. Einfach beschrieben bestehen sie aus einer kiesigen Drainageschicht und darauf einer Rasentragschicht aus einer Mischung aus Sand und einem geringen Humusanteil. Es gibt hierbei wichtige Vorgaben, was die Körnungslinie (Verteilung der Größe der Körner) der verwendeten Sande betrifft, da diese die Funktionseigenschaften der Grüns erheblich beeinträchtigen können. Gröbere Sandkörner sorgen für die Wasserdurchlässigkeit der Rasentragschicht und die feineren Anteile sind für die Scherfestigkeit und die Ebenheit der Oberfläche zuständig. Der organische Anteil (Humus, Weißtorf o.ä.), welcher idealerweise 1-3% der Rasentragschicht beträgt, soll dabei als Wasser- und Nährstoffspeicher fungieren.
Eine idealisierte Rasentragschicht hätte 50% Feststoffe und 50% Porenvolumen, welche die Speicherkapazität des Wassers und der Luft darstellen.
Da die Wurzeln unserer Graspflanzen stets auf der Suche nach groben Luft- und mittleren Wasserporen sind, ist es an uns, die Rasentragschicht bzw. die Grasnarbe mechanisch zu bearbeiten, sei es durch Aerifizieren, Vertikutieren oder Schlitzen, um der Pflanze ideale Wachstumsbedingungen zu schaffen. Zudem hilft das Aerifizieren natürlich dabei, Oberflächenwasser schneller in die tieferen Drainageschichten zu leiten, um unsere Flächen möglichst schnell wieder bespielbar zu machen.

3.Pflanzenernährung und Pflanzenschutzmittel

Das Düngen der Grüns beruht auf langjähriger Erfahrung und wird auf jedem Golfplatz etwas anders praktiziert. Wir verwenden ca. zu 50% Flüssigdünger, welcher mit der Feldspritze ausgebracht wird und 50% granulierte Dünger die wir mit dem Düngerstreuer am Kleinschlepper ausbringen. Flüssigdüngung ist mit häufigen Applikationen verbunden, jedoch kann hierbei in kleineren Dosen ein gleichmäßigeres Wachstum der Grüns erreicht werden.
Erschrecken sie bitte nicht wenn sie uns häufig mit der Spritze fahren sehen, in fast allen Fällen bringen wir dann harmlose Flüssigdünger aus.
Die Hauptbestandteile eines mineralischen Volldüngers sind N (Stickstoff), P (Phosphor) und K (Kali). Nicht zu unterschätzen sind auch die Nebenbestandteile (Spurenelemente) wie z.B. Eisen, Magnesium, Calcium oder Mangan, die ebenfalls alle für die Pflanze notwendig sind.
Um ein optimales Ergebnis zu erzielen, lassen wir jedes Jahr Bodenproben untersuchen, um ein ausgewogenes Verhältnis der Hauptnährstoffe zu gewährleisten.

Pflanzenschutzmittel werden bei uns nur dann aufgebracht, wenn es wirklich notwendig ist. Es wird immer versucht, bereits im Vorfeld durch ausgewogene Düngung, schnelles Abtrocknen der Flächen (Tau abziehen mit dem Seil), richtig dosierte Bewässerung den Pflanzen ein gutes Immunsystem zur Verfügung zu stellen um möglichst resistent gegen pilzliche Erreger zu sein.  Dies nennt man integrierten Pflanzenschutz.

Zudem ist die Lage durch das neue Pflanzenschutzmittelgesetz, was genehmigte Pflanzenschutzmittel auf Golfanlagen angeht, alles andere als großzügig und erlaubt uns nur eine geringe Menge weniger genehmigter Mittel aufzubringen. Bei der Vielschichtigkeit der Infektionen durch pilzliche Erreger ist die geringe Anzahl dieser Mittel nicht ausreichend um das gesamte Spektrum zu bekämpfen.

4.Bewässerung

Wir haben eine automatische Bewässerungsanlage auf unserer Anlage, mit der wir Grüns, Tees und große Teile der Fairways bewässern können.  Die Grüns werden per Blocksteuerung beregnet, das heißt es gibt an jedem Grün ein Ventil und man kann nur alle Beregner auf einmal laufen lassen. Die Steuerung läuft über ein System der Firma Rainbird per PC in unserem Greenkeepingbüro. Dort können Beregnungsabläufe für die Nacht eingegeben werden.

Bei der Bewässerung von Golfgrüns gilt immer der Grundsatz: „So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich“.

Zu wenig Bewässerung führt zu Trockenstellen und zu viel Wasser kann zu Krankheiten der Grasnarbe führen. Im Sommer sind wir meist noch mit dem Schlauch oder mit Kanistern unterwegs, um an besonders trockenen Stellen noch mit Wasser nachzuhelfen, ohne dabei die ausreichend bewässerten Stellen zu überwässern.

5.Witterung

Rasenpflanzen betreiben Stoffwechsel und Zellwachstum ab einer Bodentemperatur von 8° Celsius. Im Frühjahr dauert es oft lange, bis die Wachstumsphase eintritt, da uns Nachtfröste die aufgewärmten Böden des Tages wieder abkühlen.
Das Wetter auf unserer Anlage, nahe gelegen der Iller, ist im Frühjahr und Herbst häufig von dichtem Nebel oder Hochnebel geprägt. Das erschwert uns die Arbeit natürlich sehr, da unsere Grüns sehr schlecht oder gar nicht abtrocknen. Selbst wenn man das Tau mit dem Seil abzieht legt sich der Nebel wieder als feuchte Schicht auf unsere Gräser.
Ideale Wachstumsbedingungen für Schneeschimmel zum Beispiel liegen bei 7-15° Celsius und feuchter Witterung, also genau das, was unseren Herbst hier in der Wochenau prägt.

6.Belastung…

… durch Betreten und Pflege beeinträchtigt unsere Rasengräser natürlich enorm.
Beim Mähen wird wie bei allen anderen mechanischen Maßnahmen die Graspflanze natürlich verletzt und wir kontrollieren daher vor jeder Mahd die Schärfe unserer Grünsmäher um einen möglichst glatten Schnitt und somit eine möglichst kleine Verletzungsoberfläche zu erreichen.
Durch Belüftung der Grasnarbe durch unsere bereits erwähnten mechanischen Maßnahmen wirken wir der Bodenverdichtung durch Golfspieler und Greenkeeping entgegen.
Aber: nicht richtig ausgebesserte Pitchmarken bieten Krankheiten und Fremdgräsern eine ideale Eintrittspforte in unsere Grasnarbe.


Sie sehen, selbst die einfache Ausführung der Hauptfaktoren, die unsere Grüns beeinflussen, wird doch zu einem recht ausgedehnten Bericht, obwohl ich nur an der Oberfläche der Materie gekratzt habe. Wir unternehmen das ganze Jahr alles Nötige, um unsere Grüns nach bestem Wissen und Gewissen und natürlich im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen zu pflegen. Wir versuchen, den Spagat zu schaffen, eine möglichst perfekte Puttoberfläche für das Golfspiel anzubieten, und gleichzeitig unsere Rasengräser nicht überzubelasten.
Wenn sie weitere Fragen über die Platz- bzw. Grünspflege haben, sprechen Sie uns an, wir stehen Ihnen gerne Rede und Antwort.

„DER PLATZ IST ZUM SPIELEN DA… und nicht zum Pflegen“, so einst Rolf Walker.
Manchmal wünschte ich mir, manche wüssten mehr zu schätzen wie oft wir Greenkeeper „unser Vorrecht“ auf dem Platz zugunsten des Spiels unserer Mitglieder und Gäste  verzichten.
So komme ich wieder auf Rolf Walkers Zitat zurück, „der Platz ist zum Spielen da, nicht zum Pflegen“. Diese Aussage stimmt absolut! Jedoch gäbe es ohne die Pflege des Platzes auch kein Spiel und so sind wir Alle verpflichtet, auf ein respektvolles Miteinander zu achten.
Wir wünschen uns, dass sich jeder an die Regel hält, niemals einen Ball zu schlagen, der einen anderen Menschen, egal ob Golfer oder Greenkeeper, gefährden könnte. Denn, glauben Sie mir, dem Greenkeeper tut der Ball genauso weh wie dem Golfer.  Warten Sie im Sinne unserer Sicherheit bitte auf ein Zeichen des jeweiligen Mitarbeiters, bevor sie schlagen. Vielen Dank!

Thomas Ströbele

 

Die Rasenkultivierung hat entsprechend den Ansprüchen an die Funktionsflächen (Grün, Abschlag, Spielbahn, Roughflächen) oberste Priorität. Für die gezielte Planung von Grund-, Erhaltungs- und Regenerationspflege ist das spezielle Wissen über die Zusammenhänge von Witterung, Boden, Eigenschaften und Ansprüchen der Grasarten, Schadursachen sowie der Einfluss der einzelnen Pflegemaßnahmen und des Spielbetriebes erforderlich.

Dazu kommen die Pflege der Hindernisse wie z.B. Bunker und sonstige Platzeinrichtungen.

Von zunehmender Bedeutung ist die standortgerechte Pflege und Entwicklung von Biotopen. Das Pflegemanagement erfolgt abhängig der Vegetationsbedingungen, der golfsportlichen Anforderungen und der Bauqualität des Platzes, nach ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten im Sinne einer Dienstleistung. Da alle Faktoren einem steten und oft schnellen Wandel unterliegen, ist ein guter und genauso schneller Informationszugang für den Greenkeeper wichtig. In diesem Zusammenhang ist das Internet als Informationsquelle nicht mehr wegzudenken und somit Bestandteil professioneller Platzpflege.

Vertikutieren, Aerifizieren, Besanden

Jede Pflegemaßnahme ist mit einer Einschränkung des Spielbetriebs verbunden. Viele Mitglieder und Greenfee-Spieler sind überrascht, wenn es in den Sekretariaten der Golfanlagen heißt: "Heute werden Pflegemaßnahmen durchgeführt, es ist nur eingeschränkter Spielbetrieb möglich." Bei den im Folgenden beschriebenen Maßnahmen handelt es sich um Pflegemaßnahmen, die für die Regeneration der Rasennarbe erforderlich sind.

Regenerationsmaßnahmen werden um so wichtiger, je mehr die Golfanlage genutzt wird und je ungünstiger die Witterungsbedingungen auf der Anlage sind. Für das Erhalten und Nutzen, bzw. für das Bespielen der Rasenflächen ist unter anderem eine ausreichende Durchlässigkeit der Rasennarbe für Wasser eine wichtige Voraussetzung. Die häufige Überbelastung (durch Tritt aber auch durch Pflegemaschinen) einzelner Spielelemente einer Golfanlage, insbesondere der Abschläge und Grüns, führen zu Verdichtungen. Diese Verdichtungen machen den Einsatz von mechanischen Maßnahmen zwingend notwendig, um diese strapazierten Rasenflächen funktionstüchtig zu erhalten.

Neben dieser Überbelastung der Grasnarbe, gibt es weitere, natürliche Gründe, Regenerationsmaßnahmen durchzuführen. So bilden Rasengräser - bedingt durch die natürliche Bildung neuer Triebe - einen permanenten Filz. Rasenfilz ist also organisches Material, das sich verstärkt auf abgemagerten, biologisch schwach aktiven Böden (z. B. Golfgrüns) bildet. Diese Filzschicht, die aus abgestorbenen Grastrieben und Wurzeln besteht, führt bei Nässe zu weichen Grüns (oft Ursache für langsame Grüns!) und wirkt wie ein Schwamm, der eine gleichmäßige Durchfeuchtung des Bodens (Rasentragschicht) verhindert. Dies wiederum hat zur Folge, daß diese Rasenflächen anfälliger gegen pilzliche Krankheitserreger sind. Die Wurzeln wachsen nicht in den Boden, sondern breiten sich nur in einer flachen oberen Schicht aus. Somit wird die Wasser- und Nährstoffdurchlässigkeit in tiefere Schichten vermindert. Die Rasennarbe ist nicht sehr belastbar. Eine zu starke Verfilzung kann zu größeren Problemen beim Spielbetrieb führen (z. B. Wasserstau und/oder Trockenstellen auf den Grüns). Um die Bildung von Filzauflagen zu verhindern, wird beim Vertikutieren das organische Material mit rotierenden Messern vertikal durchschnitten und anschließend entfernt. Da das Wachstum der Gräser in den Monaten April bis Juli am stärksten ausgeprägt ist, ist in dieser Zeit ein häufigeres Vertikutieren empfehlenswert.

Beim Aerifizieren, dem Belüften des Bodens durch Einbringen von Löchern, wird die Rasentragschicht mechanisch, meist mit sog. Hohlstacheln (Hohlspoons) gelockert. Dies führt dazu, dass Erdkerne (Cores) ausgestochen werden und auf der Rasenoberfläche verbleiben, die in einem zweiten Arbeitsgang - entweder mechanisch oder von Hand - abgeräumt werden müssen. In der Praxis wird diese Maßnahme zwei bis drei Mal pro Jahr auf den Grüns und ein bis zwei Mal pro Jahr auf den Abschlägen durchgeführt. Das anschließende Besanden der ausgestochenen ca. 5 bis 12 cm tiefen Löcher (ca. 400 Löcher pro m²) dient dem Verfüllen der entstandenen Hohlräume. Bei dieser, wiederum mit Spezialmaschinen durchgeführten Maßnahme, ist große Sorgfalt ebenso entscheidend wie die Wahl der richtigen Sandqualität. Andernfalls kann der gewünschte Erfolg ausbleiben. Mit einer rotierenden Spezialbürste wird der Sand mehrfach eingeschleppt bis alle Löcher vollständig mit Sand gefüllt sind. Wichtig ist hierbei, dass der Sand auf den Grüns abtrocknen kann, da sich nur trockener Sand in die ausgestochenen Löcher verfüllen lässt.
Mit diesen Regenerationsmaßnahmen wird

  • Rasenfilz verringert,
  • Luft-/Wasserverhältnis im Boden verbessert.


Die gewünschten Folgen sind

  • Förderung des Wurzeltiefgangs
  • Stärkung der Widerstandsfähigkeit gegenüber Nährstoffmangel, Trockenstress und Krankheitsbefall.

Deshalb muss bei der Golfplatzpflege eine gesunde und dichte Grasnarbe, bei gleichzeitiger Erhaltung einer guten Wasserdurchlässigkeit und Ebenheit, insbesondere auf den Grüns angestrebt, gefördert und erhalten werden. Dafür müssen alle Pflegemaßnahmen ergriffen werden, die zur Förderung des Wurzelsystems beitragen. Dabei ist die Abstimmung der einzelnen Pflegemaßnahmen, die rechtzeitige Koordination mit dem Spielbetrieb und die Bekanntgabe an Mitglieder und Gäste von großer Bedeutung, damit letztere Verständnis für die Pflegearbeiten haben und Freude auf dem gepflegten Gras haben.